Rodeln oder Radeln?

Dass man mit einem Rad auf Schnee nicht weiterkommt, das haben unsere Vorfahren sicherlich am eigenen Leib in einem fernen Winter erlebt. In Südtirol, wie auch in anderen Alpen- und Bergländern, war der Schlitten ein unverzichtbares Transportmittel beim Ausüben der schweren Arbeiten, so z.B. für den Transport von Heu von den Berghütten, wo es im Sommer eingelagert wurde,  und für den Transport von Holz. Dafür wurden große, feste Schlitten benutzt, auch Hornschlitten genannt. Kleinere Schlitten oder Rodeln wurden für die Fortbewegung der Menschen benutzt. Es ist noch nicht so lange her, dass Kinder von entlegenen Bergbauernhöfen mit der Rodel zur Schule fuhren! Sicherlich fand auch da bereits das eine oder andere Rennen zwischen den Schülern statt…

Was ist Rodeln?

Wikipedia bezeichnet Rodeln so:
Rodeln, auch Schlitteln oder Schlittenfahren, ist eine ursprünglich winterliche Fortbewegungsart, einen Berg mit einem Rodel (Schlitten) hinunterzufahren. Heute wird als Rodel das durch Gewichtsverlagerung lenkbare Sportgerät bezeichnet..
Ein Rodelschlitten, kurz auch Rodel (vom oberdeutschen-schweizerischen rotteln „rütteln“, „schütteln“) oder Schlitten (ahd. Slito „Gleiter“, vergl. „schlittern“), ist ein aus zwei Kufen und einem Rahmengestell bestehendes Gerät. Er wird verwendet, um einen Hang oder eine Rodelbahn hinabzugleiten, nachdem er zuvor durch Muskelkraft oder mit Hilfe eines Skiliftes in eine höhere Lage gezogen worden ist. Da Rodelschlitten weniger Schnee als Skier brauchen, sind sie auch in Gegenden mit weniger Schneefällen weit verbreitet.
Schlitten werden seit Jahrtausenden als Transportmittel genutzt. In Europa wurden erste Schlitten wohl seit der Frühzeit als winterliches Transportmittel, so etwa in Skandinavien, im Alpenraum oder im Erzgebirge als Ziehschlitten für den Heu- und Holztransport und in kleineren Formen für den Personentransport verwendet. Die erste Erwähnung vom Rodeln macht wohl Plutarch über die Kimbern, die nackt durch den Schnee auf den Berg gelaufen sein sollen und sich auf breiten, flachen Schilden sitzend abstießen und hinuntersausten. Der spätere Rodel entwickelte sich als Freizeitgerät aus alpenländischen Schlittenformen

Rodel ist nicht gleich Rodel

Rodel, Schlitten und Bob: Vom Brauchtum zum Rennsport

Es gibt eigentlich für jede Gelegenheit, jede Arbeit, jede Freizeit Situation eine andere Rodel. 
Seit Jahrhunderten wurden Rodeln ganz einfach und im Grunde genommen auf intuitive Arte gebaut. Gewundene Bretter für die Kufen, grade Bretter für die Sitzfläche.

Für besondere Ereignisse (Hochzeiten, Feiern und Feste) wurden besonders schöne Schlitten angefertigt. Kunstvolle handwerkliche Feinarbeiten bei der Anfertigung und bei der Verzierung (bemalt oder geschnitzt) gab es Schlitten in verschiedenen Größen (für 2 oder mehr Personen).

Für den Transport von Heu, Holz und anderen Materialien von den Hochalmen ins Tal wurden Hornschlitten angefertigt, die je nach Größe auch alleine „gerodelt“ werden konnten. Ein nicht ungefährliches Unternehmen, denn der Führer musste den Hornschlitten samt Material über unebene Forstwege ins Tal befördern. Oft sind hier schwere, auch tödliche Unfälle passiert.

Als Bauernrodel wurde früher das „Böckl“ bezeichnet. Ein schlichter Einsitzer, der es ermöglicht leicht auch kurze Kurvenschwünge zu machen. In der neuen Version des Böckels wird die Hauptkufe mit abgeschnittenen, alten Skiern ersetzt. Mit Pferdeschlitten, Böckeln und Hornschlitten werden auch Rennen organisiert vom touristischen Schaulauf bis hin zu Weltmeisterschaften.

Rodeln heute und morgen

Volkssport Rodeln

Rodeln ist in Südtirol heute noch als Volkssport anerkannt und beliebt, obwohl man die Rodel nicht mehr als notwendiges Fortbewegungsmittel braucht. Rodeln hat sich zu einem der beliebtesten Freizeitsporte entwickelt. Vielfach bekommt man den ersten Kontakt mit einer Rodel bereits im Kleinstkindalter bei Familienausflügen. Dafür werden meistens Holzrodeln mit eigenem Kindersitz gebraucht, die lediglich für das Ziehen, nicht aber für das Abfahren oder Kurven, geeignet sind. 
Unterscheiden muss man heute sicherlich zwischen Stadtmenschen und Gästen sowie Bergbevölkerung. Seit einigen Jahren gibt es eine eindeutige Entwicklung dahingehend, dass immer weniger „Stadtmenschen“, sogar in Südtirol, Bezug zum Berg und speziell zum Erleben des Berges im Winter haben. Somit geht auch das angeborene Gespür für das Rodeln verloren und muss wieder erlernt werden. Gäste aus Nah und Fern haben teilweise zum Rodeln keine Beziehung und auch keine Vorkenntnisse.
Vielfach werden Kinder zu Weihnachten mit Rodeln oder Plastikbobs beschenkt. Diese sollten aber NICHT zum eigentlichen Rodeln genutzt werden, sondern lediglich als Mittel zum Nachziehen bei kleinen Wanderungen.   
Der Freizeitrodelsektor ist ebenso wie andere Sportbereiche dauernd um Neuerungen bemüht. Es werden neue Materialien ausprobiert, neue Formen und effiziente Zubehöre entwickelt.

Rodeln als Rennsport